Heute brechen wir ein Tabu. Seid ihr dabei?

Nicht lange ist es her, dass wir das Wort «Erotikmarkt» mit schmuddeligen, obszönen Shops im Rotlichtviertel in Verbindung brachten, die eine anständige Person, geschweige denn eine Frau nie betreten würde. Über erotisches Spielzeug wie Vibratoren, Fesseln, Peitschen (oopsi, hab ich das jetzt wirklich geschrieben? Ich habe ja gesagt wir brechen heute Tabu´s? :-)), wurde, wenn überhaupt nur im Flüsterton gesprochen. Das hat sich glücklicherweise sehr geändert. Heute gehört es schon zum guten Ton, entsprechend informiert zu sein und frei darüber reden zu können, ja sogar solche Sextoys selber zu besitzen. It´s a lifestyle thing baby. Die Gesellschaft ist diesbezüglich viel offener geworden. Die Erotikbranche wurde dank Internet und den sozialen Medien ganz neu aufgemischt. Sie hat einen neuen Stellenwert erlangt und gilt nicht mehr als verpönt oder sogar sündig. Player wie «Amorelie» oder «Playful.ch», einer der führenden Lifestyle-Erotik-Onlineshop auf dem Schweizer Markt, feiern inzwischen einen anerkannten und gepflegten Ruf. Der Slogan von «Playful.ch»: Mehr Reize mit mehr Niveau zeigt auf, wie es geht.

Haben möglicherweise auch Filme wie «Fifty Shades of Grey» zu einem entspannteren Umgang mit Sex und Erotik beigetragen? Spielt die Anonymität eine wichtige Rolle oder wurde ein Tabuthema, gebrochen?

Diese Themen diskutierte ich heiß mit Monica Rümbeli, Psychologin und Sexualtherapeutin, und stellte ihr diesbezüglich einige Fragen:

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Monica Rümbeli dipl. Psych. FH/SBAP/SGfk  | Praxis für Sexualberatung und Therapie, Frick


Warum löste dieser Film Ihrer Meinung nach einen solchen Hype, vor allem beim weiblichen Publikum, aus?
Es ist ein Film, der vor allem beim weiblichen Publikum Sehnsüchte weckt und zum Fantasieren einlädt. Ausserdem hat dieser Film ein Tabuthema angesprochen, das bislang meist nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde. Sado-Maso-Sex galt als pervers und anrüchig. Nun ist es salonfähig geworden, darüber offener zu sprechen. Damit dürfte es auch leichter fallen, generell zu den eigenen erotischen Bedürfnissen, Wünschen und sexuellen Fantasien zu stehen. Darin sehe ich eine positive Entwicklung.

Das klingt so, als hätten viele Frauen ihre verborgenen Wünsche in diesem Film entdeckt.
Der Film bietet Einiges, wovon eine Frau träumt: Eine prickelnde, romantische Geschichte mit einem gutaussehenden, reichen Helden und einer unschuldigen Heldin, die in eine „verbotene“ und deswegen besonders faszinierende Welt der Erotik eingeführt wird. Das kann durchaus entsprechende Emotionen und Fantasien auslösen und auch zu eigenem Experimentieren anregen. Wenn eine Frau dadurch sich selber, ihre Bedürfnisse und ihre eigene Sexualität besser kennen lernt, ist das nur von Vorteil.

Laut Medienberichten war ein Drittel des Kinopublikums männlich. Denken Sie, dieser Film hat auch die Männer beflügelt? Haben sie möglicherweise daraus gelernt, was Frauen insgeheim möchten?
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Männer Filme bevorzugen, die schnell zur Sache kommen und Sexualität unverhohlen zeigen, während Frauen eher von Filmen angeregt werden, welche durch eine Geschichte die Spannung aufbauen, bis es zum eigentlichen Sex kommt. „Fifty Shades of Grey“ erzählt eine solche Geschichte, mit all den romantischen Klischees, die zum Träumen einladen und die Männer deswegen wohl kaum spannend finden würden, wäre da nicht das Thema des Sado-Masochismus, des Spiels von Dominanz und Unterwerfung. Dieses kann durchaus auch Männer zu mehr Experimentierfreude in der Paarsexualität beflügeln und ein vermehrtes Interesse an den erotischen Bedürfnissen der Partnerin auslösen. Das wären Schritte in eine wünschenswerte Richtung. Doch das alleine reicht nicht, um die geheimen Wünsche der Frauen herauszufinden. Dazu braucht es das Gespräch mit der entsprechenden Person, denn erotische Fantasien und Bedürfnisse sind ebenso individuell wie es die Menschen sind.

Erotikshops wurden mit Anfragen zu den im Film gezeigten, ich nenne sie mal „Tools“, überhäuft. Hat dieser Film den Ruf von Sexspielzeug salonfähiger gemacht?
Er hat sogar Kabelbinder zum erotischen Spielzeug erhoben (lacht). Wussten Sie, dass diese nach dem Bekanntwerden des Films an manchen Orten komplett ausverkauft waren? Spass beiseite: Erotisches Spielzeug ist seit geraumer Zeit tatsächlich aus der Schmuddelecke herausgetreten. Es gehört heute schon beinahe zum modernen Lifestyle, ein entsprechendes Toy zu besitzen und zu nutzen. Zudem spricht man heute viel offener über diese Produkte. Der Film „Fifty Shades of Grey“ hat sicher seinen Teil dazu beigetragen.

Kabelbinder lassen sich mit guten Vorwand in jedem Baumarkt besorgen. Welche Rolle spielt die Anonymität beim Kauf eines Sextoys?
Das ist individuell sehr verschieden. Manche Personen haben keine Hemmungen, sich in Erotikshops umzuschauen, andere fühlen sich gehemmt und schämen sich, ein solches Geschäft zu betreten. Das trifft besonders häufig auf Frauen zu. Der Erotikmarkt hat das erkannt und darauf entsprechend reagiert. Mittlerweile existieren verschiedene Erotikshops, welche speziell auf die Wünsche und Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet sind und eine kompetente Beratung anbieten, und dies in einem sehr gepflegten und stilvollen Ambiente. Bei einigen ist der Zutritt für Männer, wenn überhaupt, nur in Begleitung der Partnerin erlaubt. Das gibt den Frauen ein Umfeld, in dem sie sich vor missbilligenden Blicken sicher fühlen und in aller Ruhe das Angebot anschauen können. Diese Shops verfügen meist auch über einen diskreten Internet-Bestell-Service für Kundinnen, welche trotzdem nicht wagen, einen solchen Shop aufzusuchen. Auch verschiedene seriöse Online-Shops bieten ebenfalls eine grosse Auswahl an qualitativ hochwertigen Sextoys an. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Kabelbinder allerdings würde ich weiterhin im Baumarkt kaufen (schmunzelt).

Das Interesse an Themen über Sex und Erotik ist allgegenwärtig. Ich kenne praktisch keine Frau, die das Buch «Fifty Shades of Grey» nicht verschlungen hat. Die Frage bleibt, weshalb es denn so vielen Leuten immer noch schwerfällt, darüber zu sprechen. Hat es damit zu tun, dass Erotik und sexuelles Verlangen lange Zeit als unangebracht,
ja als sündhaft betrachtet wurden und deswegen heute noch mit viel Scham behaftet sind? Jeder kann sich solche Fragen selber stellen und seine ganz persönliche Antwort darauf finden.

Auch für mich war dieser Blogpost eine neue Herausforderung und hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich danke Frau Rümbeli herzlich für den wertvollen Beitrag. Irgendwie ist dieses Video gerade passend 😉

Happy Weekend meine Lieben, Eure Vanessa

 

 

 

2 Comments

  1. Der Film hat bei mir höchstens Sehnsüchte nach einem solventen Verehrer geweckt. Das Sex-Zeug fand ich völlig unnötig. Die Filmmusik hingegen hat mir gefallen.

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