Krebs ist allgegenwärtig. Praktisch jeder ist mit dieser gefürchteten Krankheit in irgendeiner Weise bereits in Kontakt gekommen. So auch eine liebe Leserin von mir, welche mich mit ihrer Geschichte tief bewegt und zum Nachdenken gebracht hat.

Treffen kann es jeden, die Früherkennung ist jedoch in den meisten Fällen ganz essentiell und dafür setzt sich Michèle, Mutter von zwei kleinen Jungs, ein. Als Beauty Bloggerin habe ich genau die richtige Zielgruppe auf meinen Plattformen und kann so eine menge Frauen auf das Thema Brustkrebs und deren Früherkennung ansprechen und hoffentlich auch sensibilisieren.

Krebs bedeutet nicht gleich sterben. Ich habe mich mit Michèle (29), über ihre Diagnose Triple Negativ Brust Krebs sehr tiefgründig unterhalten und hoffe, so viele von Euch erreichen und Fragen beantworten zu können.

Michèles Diagnose

Triple Negativ Breast Cancer, diese Art des Brustkrebs wird nicht durch Hormone ausgelöst und kann deshalb auch nicht durch eine Hormontherapie behandelt werden. Chemotherapie ist unumgänglich und Operation und Bestrahlung folgen. Triple Negative Brustkrebs tritt oft bei jungen Frauen auf und häufig deshalb, weil die Frauen träger des BRCA 1/2 Gen sind. Ich bin jedoch nicht Träger des Brustkrebs Gen, alle Tests waren negativ. Leider gibt es immer mehr Frauen mit dieser Diagnose, ohne dass sie das Gen in sich tragen. Auch Väter können dieses Gen ihren Töchter weitergeben ohne es zu wissen.

Triple Negative Brustkrebs ist sehr aggressiv, die Zellteilung erfolg schnell, was diese Art Brustkrebs sehr gefährlich macht, jedoch spricht die Chemotherapie auch sehr gut an, da diese besonders auf schnelle Zellteilung ausgerichtet ist.

Liebe Michèle, wie geht es Dir?
Danke, ich fühle mich sehr gut heute.

Vor ein paar Monaten hast Du die erschütternde Nachricht erhalten, dass Du Brustkrebs hast. Hast Du den Knoten in der Brust selber bemerkt oder während einer Routineuntersuchung?
Ich habe den Knoten selber bemerkt. Auf dem Sofa hatte ich plötzlich den Gedanken, dass ich meine Brüste kontrollieren sollte, was ich dann auch tat. Auf der linken Seite fühlte ich dann eine Art Verhärtung, die auf der rechten Seite nicht zu spüren war. Ich konnte jedoch nicht klar sagen, ob es das Drüsengewebe der Brust ist oder ein Knoten.

Mein erster Gedanke bei der Diagnose wäre wahrscheinlich gewesen ich müsse sterben. Was war deine erste Reaktion oder dein erster Gedanke, als Du das Wort Krebs gehört hast?
Da meine Ärztin klar von einer gutartigen Zyste ausgegangen ist, war der Schock umso grösser. Ich hatte das Gefühl die Welt stehe still und es fühlte sich alles so surreal an. Meine Gedanken waren: Wie kann das wahr sein? Wie kann das meine Realität sein. Der Gedanke dass ich sterben könnte, kam erst als ich meine Kinder (Ray 5 / Sky 2) ansah und da brach ich dann auch zusammen, da die Vorstellung von meinen Söhnen weggerissen zu werden, einfach zu beängstigend war.

Wie ging es danach weiter?
Danach folgten viele weitere Tests, Mammographie, MRI, Ultraschall, eine weitere Biopsie und ein PET CT. Diese waren nötig um zu bestimmen, um welche Art von Brustkrebs es sich handelt und ob der Krebs bereits Metastasen an anderen Stellen im Körper gebildet hat. Dies war jedoch zum Glück nicht der Fall. 

Hat dich die Kraft zu kämpfen auch einmal verlassen?
Nein. Ich habe zu viele Gründe, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und auch wenn mein Leben für mich vorgesehen hat, die Erfahrung „Krebs“ zu machen, das ist nicht meine Bestimmung. Ich sehe es als Anreiz mich noch mehr mit mir selbst zu befassen und meine Verbindung zu meinem Körper zu stärken. Ich kämpfe, lerne und wachse. Eine solche Erfahrung bringt viele Lektionen mit sich, die es sich zu lernen lohnt und dafür bin ich dankbar.

Du musstest Dir die von allen gefürchteste Red Devil Chemo unterziehen. Was genau macht eine Chemotherapie und was ist der Unterschied einer «gewöhnlichen» Chemo zum roten Teufel?
Es gibt so viel ich weiß viele verschiedene Chemo Medikamente. Eines der stärksten ist „Doxorubicin“ das auf Grund seiner Farbe, rot, und seinen starken Nebenwirkungen den Namen „red devil“ erhalten hat. Dieses Medikament wird vor allem bei fortgeschrittenem Krebs oder wie in meinem Fall bei schnell wachsendem Krebs eingesetzt. Dieses Medikament wird zudem meist in Kombination mit einem weiteren verabreicht, was die Behandlung sehr intensiv macht. Die Therapie findet deshalb bei älteren Personen nur alle 3 Wochen, bei Jungen alle 2 Wochen statt. Man braucht diese Zeit um sich zu erholen und die Blutwerte müssen sich regenerieren (die Anzahl Blutkörperchen nimmt bei der Behandlung ab). Ich kann nicht genau sagen wie andere Chemotherapien ablaufen, doch auf Grund der Intensität und den zahlreichen Nebenwirkungen, welche die „red devil“ Chemo mit sich bringt, wird sie als die unangenehmste Chemo gesehen. Ich hatte 4 Behandlung auf 8 Wochen verteilt, bevor ich die zweite Chemo begann.

Welche Nebenwirkung bringt eine solche Chemotherapie mit sich?
Die „red devil“ Chemo hat so viele mögliche Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Müdigkeit, höheres Infektionsrisiko, Haarausfall, Geschmacksveränderung, Aphten im Mund, Veränderung der Nägel, Durchfall, Schlaflosigkeit und noch einige mehr. Jeder reagiert jedoch anders auf die Behandlung und es muss deshalb auch nicht sein, dass all diese Nebenwirkungen auftreten.

Hattest Du Angst zu sterben oder hattest du schon Gedanken zum Tod?
Der Gedanke kam mir ja. Und es kann dir leider bei der Diagnose auch keiner versichern, dass du diese Krankheit überlebst. Nicht weil die Chancen nicht gut stehen würden, doch diese Art Absicherung hast du einfach nie. Es kann immer irgend etwas passieren. Und zu Beginn wusste ich auch noch nicht, ob der Krebs gestreut hat und andere Organe befallen sind. Meine Gedanken waren jedoch nicht „oh mein Gott, ich werde sterben“ sonder „auf keinen Fall, lasse ich zu, dass mich irgend etwas von meinen Kindern wegholt“. Auch wenn die Angst da war, die Vorstellung, dass meine Kinder ohne mich groß werden müssen, dass mein Partner unsere Kinder alleine erziehen muss, dass dies das Ende sein könnte und die Vorstellung daran, dass ich mich von meinen Liebsten evtl. bewusst verabschieden muss. Dies war echt schlimm. Aber ich denke diese Gedanken sind unumgänglich und man sollte sie auch zulassen und wahrnehmen. Dennoch war für mich klar, dass diese Angst unbegründet ist, es kann immer etwas passieren, aber ich werde alles mir mögliche tun, dass ich leben und den Krebs besiegen werde. Und der Gedanke zu leben, ist der, in welchen ich meine Energie investiere.

Auf deinem Instagram Account zeigst du dich ohne deine Perücke, was ich absolut bewundere. Du hattest schönes, langes Haar. Wie schwierig war das für dich und wie gehst du inzwischen damit um?
Meine erste Reaktion war, dass mir die Haare egal sind. Ich will ja einfach wieder gesund werden. Doch als es dann los ging mit dem Haarausfall, war das doch sehr unangenehm und ich hatte auch keine Lust überall Haare zu finden. Ich hab mich dann dazu entschlossen, sie abzurasieren. Mein Partner und unsere Kinder haben mir die Haare geschnitten, was ganz lustig war, aber die ersten Schnitte waren echt hart. Haare sind ein Teil von dir, ein Teil deiner Identität und das sollte man nicht unterschätzen. Schwierig war für mich zu Beginn vor allem wie sich der kurze Haarschnitt anfühlte, da musste ich mich echt daran gewöhnen. Und der Blick in den Spiegel, nicht weil es nicht gut aussieht, sondern weil es die Krankheit wiederspiegelt. Erst recht wenn die kahlen Stellen dazu kommen und an anderen Stellen sind noch recht viele Haare. Die Unregelmäßigkeit lässt dich krank aussehen. Mich stört es nicht mehr, ich fühle mich auch am wohlsten ohne Perücke oder Kopfbedeckung, doch so rausgehen würde ich nicht auf Grund der Reaktionen der Leute. Ich denke, dass einige nicht wissen wie damit umzugehen und dass es die Krankheit in den Mittelpunkt rückt. Dies möchte ich vermeiden. Auch wenn es mich persönlich nicht mehr stört. 

Du bist Mental & Health Coach, hattest ein geregeltes Leben und eine bezaubernde Familie. Wie geht dein Umfeld, deine Kinder, dein Mann mit der jetzigen Situation um?
Ich bin echt dankbar ein so tolles soziales Umfeld zu haben. Mein Partner ist Musiker und hat sich sehr viel Zeit frei genommen, um für mich und die Kids da zu sein. Auch meine Eltern haben alles komplett um mich herum ausgerichtet. Diese Hilfe bedeutet mir echt viel, da es mir vor allem im ersten Teil der Behandlung nicht sehr gut ging und ich auch viel Zeit für mich selbst brauchte. Dies ist nicht immer einfach mit zwei kleinen Kids, da man als Mutter ja schon im normalen Alltag häufig zu wenig Zeit für sich selbst hat. Aber um mit dieser Diagnose umgehen zu können, muss ich mich stark mit mir selbst befassen und meinen Körper dabei unterstützen, wieder gesund zu werden. 

Die Krankheit hat bestimmt viel in deiner Denkweise und der Einstellung zum Leben verändert. Wie hat sich deine Sicht zum Leben verändert?
Für mich geschehen Dinge immer aus einem bestimmten Grund. Einer dieser Gründe, wieso ich Brustkrebs habe, ist für mich, weil ich stark genug bin, um es durchzustehen und aber auch darüber zu sprechen und Frauen auf das Thema aufmerksam zu machen. Jedoch wurde mir durch die Diagnose auch bewusst, dass ich mich mit mir selbst beschäftigen muss. Es gibt keinen offiziellen Auslöser für den Krebs, keiner kann mir sagen, woher und wieso ich Brustkrebs bekommen habe. Ich werde auch nie eine Antwort bekommen, aber ich sehe solche Diagnosen auch immer als Warnsignal des Körpers. Also muss es auch etwas geben, dass dazu geführt hat. Ich bin noch dabei das herauszufinden, doch deutet einiges in meiner Situation auf emotionalen Stress und den Umgang damit hin. Und daran werde ich arbeiten und mein Leben dementsprechend noch bewusster leben, um mir und meinem Körper das zu geben, was uns gut tut. Dabei hilft mir das Meditieren sehr, wobei ich die Verbindung von Gedanken und Körper stärke. Unsere Gedanken haben eine große Auswirkungen auf unsere Gefühle und die wiederum lösen Körperreaktionen aus. Diese Verbindung geht leider im Alltag und im Stress oft vergessen, doch jetzt nehme ich mir die Zeit, um genau dies zu stärken. Es erhöht mein Bewusstsein und ich lebe mehr im Moment. Ich lebe bewusster und entscheide genauer für was und wen ich meine Energie investiere und was ich los lassen muss. Es ist eine wundervolle Ruhe und Dankbarkeit eingekehrt und ich freue mich mein Leben mit dieser neuen Energie leben zu dürfen.

Was ist dein Ziel deine Geschichte und Dein Weg auf Instagram zu dokumentieren?
Ich teile meine Geschichte in erster Linie, um Aufmerksamkeit zu schaffen, Frauen daran zu erinnern ihre Brüste zu kontrollieren und um eine Ansprechperson für Betroffene zu sein. Außerdem beschäftige ich mich als Mental & Health Coach mit vielen Techniken, welche einem dabei helfen können, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen und ich möchte auch diese mit meinen Followers teilen. Ein Ziel direkt habe ich nicht, doch ich hoffe, dass ich Frauen mit meiner Geschichte Mut machen kann.

Gibt es etwas, das Du meinen Lesern, allen Frauen da draußen und allen Betroffenen auf den Weg geben möchtest?
Ich habe schon immer gerne außerhalb der Linien gemalt, und so ähnlich sieht auch mein Leben aus – etwas chaotisch, im positiven Sinne. Ich habe dabei gelernt, dass DU selbst, die erste Priorität in deinem Leben bist. Du selbst entscheidest über dein Leben. Wie du Dinge siehst, ändert wie die Dinge aussehen. Und wie du über Dinge denkst / fühlst / sprichst, formt deine Realität. Wenn du veränderst, wie du die Welt siehst, wenn deine Absichten positiv und stark sind und du das Gute in jeder Situation siehst, dann verwandelt sich dein Leben in das wundervoll Abenteuer, für welches es bestimmt ist. Daran glaube ich und danach Lebe ich und deshalb haut mich auch eine Krebsdiagnose nicht um. Mein Wille zu Leben ist grösser als die Angst vor dem was kommen mag. Love yourself & Love life! 

Kurz nachdem dieses Interview entstanden ist, bekam Michèle die unglaubliche Nachricht, dass sie krebsfrei ist. Beim Scan wurden keinerlei Krebszelle gefunden. Was diese erlösende Botschaft bei ihr und ihrem Umfeld ausgelöst hat könnt ihr euch bestimmt vorstellen. Ich habe mich so gefreut, dass diese wundervolle, schöne und taffe Frau nicht aufgehört hat zu kämpfen, für sich und ihre kleine herzige Familie.

Liebe Michèle, ich wünsche dir und deiner Familie von ganzem Herzen nur das aller Beste! Ihr habt eine unglaublich schwere Zeit hinter euch und trotzdem bist du so positiv geblieben. Trotz vielen dunklen Stunden hast du mit der Öffentlichkeit dein Leiden und Ängste so transparent geteilt und hoffentlich ganz vielen Frauen zur Sensibilisierung verholfen und Betroffene beim Kampf unterstützt.

Wer genauso angetan ist von Michèle und ihrer Geschichte, findet sie hier auf Instagram.

Ich hoffe wir konnten euch mit diesem Beitrag zum Nachdenken anregen. Das Abtasten der Brust sollte einmal im Monat vorgenommen werden und kostet nur wenig Zeit und kann euch so viel Leid ersparen.

Happy Day meine Lieben

1 Comment

  1. Liebe Vanessa, liebe Michèle.

    Von ganzem Herzen vielen lieben Dank für diesen wunderschönen und wichtigen Bericht. Echt jetzt… mit Tränen in den Augen hab ich das Foto von Michèle (ich glaube imfall das ist einfach ein Selfie… da, wo die Haare bereits wieder etwas am Nachwachsen sind 🙂 gerade angeschaut… das Bild ist einfach grossartig.
    Meine Haare bzw. die arschlangen Echthaar-Dreadlocks sind dann Mitte letzten Jahres dann doch noch von mir gegangen; kurz bevor ich ein Chemotherapeutikum und eine Schubtherapie mit sehr hoch dosierten Kortikoiden sistieren musste. Ich bin nach einem Jahr fast an den Folgen der Therapie gestorben. (Ich habe eine genetische Autoimmunerkrankung, die bisher nicht heilbar ist. Chemotherapeutika sind einfach eine mögliche Therapieform, aggressivere Verläufe zeitweise etwas abzubremsen, weil man damit das ganze Immunsystem vorübergehend killen kann. 🙂

    Irgendwann wird man pragmatisch aber dankbar…
    Bei mir die Erfahrung. Ich denke es wären viele Dinge anders, wenn ich auch Kinder hätte. Kinder (und ältere Menschen) begegnen einen erfahrungsgemäss sehr vorbehaltlos und wohlwollend. Auch wenn man draussen mal einen Mundschutz tragen muss. Die Augen strahlen ja trotzdem. 🙂 Solche Begegnungen und Kontakte im Alltag sind unglaublich wertvoll.

    Herzliche Grüsse und alles Liebe und Gute

    Sabrina

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